Humboldt-Universitäts-Gesellschaft

Verein der Freunde, der Ehemaligen und Förderer e. V.

Projekt: August-Boeckh-Lectures

Internationale Konferenz „Re-Thinking Marx. Philosophie, Kritik, Praxis“

20.-22.05.2011

Das Hauptziel der Konferenz war, neuere philosophische Anknüpfungen an das Marx’sche Werk zu evaluieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Bewusst wurden ganz verschiedene ReferentInnen aus unterschiedlichen philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen und Traditionen eingeladen – auch solche, die normalerweise nicht zu Marx arbeiten, sowie solche, die zwar durchaus zu Marx forschen, aber mit bestimmten Fachkreisen seit Jahrzehnten nicht mehr im Dialog über Marx standen.

„Es gibt heute ein neues Bild von Karl Marx und viele ganz unterschiedliche Blickrichtungen auf sein Werk. Man muss gar nicht mehr unbedingt Marxistin sein, um sich mit dem Werk von Karl Marx zu beschäftigen“, sagte Rahel Jaeggi, Professorin für praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie und Organisatorin der Konferenz. Co-Organisator war Daniel Loick von der Frankfurter Goethe-Universität. Auch er betonte die neue, undogmatische Herangehensweise an Marx: „Wir sehen heute, dass man Marx auch mit einer Unbefangenheit lesen kann, die überhaupt erst den inhaltlichen Pluralismus in seinem Werk erkennen lässt.“

Insgesamt umfasste die Konferenz 45 Vorträge von je 20-40 Minuten Länge. Es nahmen 46 internationale ReferentInnen sowie mindestens 1.500 ZuhörerInnen aus akademischen Kreisen und der breiten Öffentlichkeit an der Konferenz teil. Kernstück waren fünf Plenarveranstaltungen („Motive bei Marx“, „Kritik der Ökonomie“, „Kritik der Politik“, „Was fehlt bei Marx?“ sowie „Anschlüsse und Perspektiven“), jeweils besetzt mit drei bis vier hochkarätigen ReferentInnen, darunter die Philosophen Etienne Balibar (Paris) und Axel Honneth (Frankfurt/M.), die Soziologin Saskia Sassen (New York), der Historiker Moishe Postone (Chicago) und die feministische Theoretikerin Rosemary Hennessy (Houston). Diese Veranstaltungen fanden im Audimax statt, der selbst bei den 2 morgendlichen Terminen sehr voll (und mitunter überfüllt) war. Zusätzlich gab es zwei Themenblöcke („Motive bei Marx“ und „Was fehlt bei Marx“) mit jeweils vier parallel stattfindenden Panels, die im „kleineren Rahmen“ (200 bis 500 TeilnehmerInnen) auch NachwuchswissenschaftlerInnen
zu Wort kommen ließen.

In den Planarveranstaltungen wie auf den Panels wurde deutlich, dass die aktuelle Marx-Rezeption von einer Vielseitigkeit geprägt ist, die allein schon durch die Unterschiedlichkeit der methodischen und systematischen Ansätze die Rede vom „orthodoxen Marxismus“ oder „dem einen Marxismus“ längst abgehängt hat. Klassische Themen wie Gerechtigkeit, Freiheit, Kapitalismus- und Ideologiekritik, aber auch die aktuelle Diskussion über Geschlechterverhältnisse, Migration und Postkolonialismus lassen sich mit Marx neu bearbeiten. Gemeinsam – und das betonten gleich mehrere der Vortragenden – ist den verschiedenen Ansätzen jedoch das Ziel, das Marx selbst in der „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ formulierte: „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (MEW 1, 385).

Ebenfalls Teil der Konferenz war ein kulturelles Rahmenprogramm mit einem Empfang im Suhrkamp-Haus, eine Lesung der Autorin Bini Adamczak, einem Filmscreening des Films Marx Reloaded unter Anwesenheit der Regisseurin Alexandra Weltz und einer Theaterperformance der Gruppe andcompany&co in Zusammenarbeit mit dem Hebbel am Ufer.

Die Konferenz hat mit diversen Beiträgen in der Tagespresse und im Radio ein ungewöhnlich breites Medienecho gefunden.

Da sich abzeichnet, dass die Tagung einen zentralen Knotenpunkt in der neuesten Marx-Forschung gebildet hat, ist nun auch geplant, die Vorträge in zwei Konferenzbänden zu dokumentieren, von denen einer im Suhrkamp-Verlag, einer im Akademie-Verlag erscheinen soll.

Veranstalter der Konferenz war das Institut für Philosophie der Humboldt-Universität. Neben der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft waren die Verlage Suhrkamp und Akademie, die DFG, die Tageszeitung taz sowie das Theater Hebbel am Ufer Kooperationspartner.

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